Deersheim l 110 Mitglieder hat die Genossenschaft des Deersheimer Dorfladens seit Sonnabend. Als 110. Mitglied zahlte Ronald Brachmann 50 Euro für einen Genossenschaftsanteil ein. Doch nur deshalb war der SPD-Politiker nicht aus seinem Wohnort Drübeck zum Dorffest nach Deersheim gekommen. Im Vorfeld hatte er zu ergründen versucht, warum der Förderantrag abgelehnt worden ist, obwohl es sich um ein Pilotprojekt für Sachsen-Anhalt handelt.

Genossenschaften ausgeschlossen

80 000 Euro könnte der Dorfladen für den Innenausbau aus einem Programm „Demografie – Wandel gestalten“ vom Land erhalten. Die Investitionsbank hat in einem Schreiben an den Landtagsabgeordneten auch grundsätzlich bescheinigt, dass das Vorhaben zu begrüßen und förderwürdig sei. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass nach den Förderbedingungen Genossenschaften als Zuwendungsempfänger bisher ausgeschlossen sind.

Brachmann sprach darüber am Rande des Dorffestes mit Vertretern der Genossenschaft und der Kommune – Elke Selke, Reinhard Böhland, Ortsbürgermeister Wolfgang Englert (WG Deersheim) und Stadtratsvorsitzendem Dirk Heinemann (SPD).

Falscher Verdacht

Die Deersheimer wurmte in dem Schreiben der Bank vor allem der formulierte Verdacht, dass das Vorhaben vorzeitig begonnen worden sein könnte, was wiederum eine Förderung unmöglich machen würde. Vorstandsmitglied Elke Selke widersprach dem Verdacht vehement. Die aktuelle Baumaßnahme für eine Markthalle sei ein Vorhaben der Stadt und über das Leader-Programm gefördert, bei dem die Genossenschaft außen vor sei.

Ronald Brachmann will nun kurzfristig einen Termin in Magdeburg organisieren mit zuständigen Vertretern des Ministeriums für Landesentwicklung sowie der Investitionsbank, um Missverständnisse auszuräumen und Wege zu einer Förderung aufzuzeigen. Ein Zuschuss wäre zum Beispiel über einen Verein möglich, wie es ihn in Deersheim mit dem Edelhofverein gibt. Er hat sich seit 13 Jahren den Erhalt des historischen Dorfkerns, zu dem auch das Gebäude der künftigen Markthalle und des Dorfladens gehört, auf die Fahnen geschrieben.

Elke Selke erinnerte daran, dass die Idee des Dorfladens aus dem Projekt der „ZukunftsWerkStadt“ entstanden ist. „Wir sind die erste Genossenschaft dieser Art in Sachsen-Anhalt.“ Das Förderprogramm habe den Vorteil, dass für den notwendigen 20-prozentigen Eigenanteil des Zuwendungsempfängers auch Eigenleistungen angerechnet werden. „Wir haben Leute, die sich auf diese Weise einbringen wollen“, unterstrich Reinhard Böhland. Überhaupt gebe es alte wie junge Leute in der Initiative.

Selke berichtete zudem von der Aufmerksamkeit, die die Deersheimer auch außerhalb ihres Dorfes erfahren. So habe ein Fachmann aus Emersleben angeboten, sie bei der Ladeneinrichtung zu beraten. „Es muss nicht immer Geld sein.“

Ronald Brachmann betonte, er sei beeindruckt von dem Engagement der Deersheimer. „Ich werde das weiter politisch unterstützen.“